Hunde sterben auch - letzte Tage mit meinem Hund Jerry

Tagebuch eines Abschieds – oder wenn der geliebte Hund stirbt

Im Februar war es so weit. Mein Hund Jerry, ein Schäferhund-Dobermann-Mischling ist gestorben. Völlig unerwartet ist er tot krank geworden. Alles Hoffen, alle Arztbesuche haben nichts mehr gebracht. Es dauerte ganze sechs Tage um aus einen lebenslustigen, fidelen, freudigen Hund und Lebensbegleiter einen im Sterben liegenden Hund zu machen, denn ich vom Tierarzt dann von der Spritze erlösen ließ. Morgen ist es genau zwei Monate her. Und vielleicht schaffe ich es nun, mit Abstand seine letzten Tage zu beschreiben.

Jerry bei einer Pause am Strand
Freitag, 6. Februar 2009

Jerry geht es richtig gut

Wir kommen vom Strand zurück. Dort haben wir mit Jerry und Cora wieder eine wunderbare Stunde mit Gassi gehen, Spielen, Beschäftigen, Pausen und wieder Spielen verbracht. Jetzt noch Fresschen für die beiden und dann sind es erstmal wieder die glücklichsten Hunde der Welt. Ausgelastet und mit vollen Bäuchen. Beide sind toll in Schuss für ihr Alter. Beide werden wohl im Sommer 13 Jahre alt werden. Bei Cora haben wir natürlich etwas bedenken. Sie ist einfach nicht so fit und vor Lebenslust sprühend wie Jerry. Aber der hat ja auch das Glück von Welpen Alter an bei mir und später bei meinem Freund zu sein, Cora haben wir erst gut zwei Jahre und ihre Welpen und Jugendzeit war weit weniger schön.

Am Freitagnachmittag hören wir von Schnee in den Bergen von Gran Canaria und beschließen am Samstag einen Ausflug mit den beiden Hunden zu machen. Schnee auf Gran Canaria, das wollen wir uns anschauen. Und warum nicht den Hunden den Spaß gönnen.

Am Abend gibt es die zweite Mahlzeit. Cora isst. Jerry weigert sich. Gut, ab und an hat er das, dann ist er einfach pingelig und erhofft sich durch nicht fressen eine bessere Ration abzuholen. Irgendwas beigemischt zu bekommen. Da er aber am Morgen gut gegessen hat, lasse ich das Essen stehen. Cora geht an seinen Fressnapf nicht ran und wenn er doch noch Hunger hat, kann er es ja essen.

Samstag, 7. Februar 2009

Der erste Tag Krankheit

Tag des Ausflugs. Abgesprochen ist nur kurz mit den Hunden raus zugehen, sie zu füttern und dann bald loszufahren. Jerry ist seltsam, bewegt sich träge. Fressen ist schon wieder Fehlanzeige. Wir denken uns aber noch nicht viel dabei. Manchmal, wenn er zu viel am Vortag gespielt hat, dann ist er am nächsten Tag einfach verkatert. Wir tippen auf Muskelkater und lassen ihn in Ruhe. Für die beiden Hunde fällt der Ausflug daher auch aus, wir fahren alleine in die Berge hoch.

Nach gut drei Stunden kommen wir wieder und langsam beschleicht mich eine schlechte Ahnung. Normalerweise ist Rückkehr von Frauchen und Herrchen eine riesige Sache, die beide Hunde, insbesondere Jerry zur Hochform auflaufen lassen. Wenig bis nichts. Er steht zwar da und freut sich, aber nicht wie sonst. Und gegessen hat er immer noch nichts. Ich versuch es mit etwas Besonderem, aber mehr als zwei, drei Happs sind nicht drin. So richtig Sorgen mache ich mir noch nicht. Denn ansonsten ist er recht normal, kein Fieber, die Augen sind auch wie sonst, klar kann ich ja nicht sagen, er hat schon leichte Schleier auf den Augen. Das Alter eben.

Gassi gehen geht auch. Insgesamt nicht gut, aber noch denke ich nur an eine Kleinigkeit. Auf gar keinen Fall an etwas Lebensbedrohliches. Hätte unser Tierarzt allerdings heute offen gehabt, wäre ich inzwischen doch hingefahren. Obwohl ich nicht unbedingt dazu neige, schon beim kleinsten Husten dorthin zu eilen. Weniger wegen den Kosten, das ist mir egal, eher, um es selbst nicht zu übertreiben.

So klein kann sich mein Hund Jerry machen. Aufgenommen im August 1999. Ein Schäferhund-Dobermann-Mischling.
Sonntag, 8. Februar 2009

Erster Abschied von unserem treuen Hund

Die Lage hat sich zugespitzt. Jerry legt echt schräg rum. Es sieht aus als wenn er Schmerzen hat. Bewegen geht noch. Aber nur ein paar Schritte. Gegessen hat er natürlich wieder nichts. Trinken tut er. Raus gehen kann er selbst auch noch. Trotzdem, wir gehen schnell mit Cora Gassi und dann mit einer Nachbarin zu deren Tierarzt. Der soll zwar deutsch sprechen (tut er nicht, nur seine Frau, die aber erst beim Bezahlen da war), aber ist in Maspalomas echt schlecht zu finden. Jerry schafft es kaum in den Jeep hoch und der Weg vom Parkplatz bis zum Tierarzt ist für ihn verdammt lang. Zwei Tage zuvor ist er noch rum gesprungen und hat gezogen.

Der Tierarzt ist seltsam. Ohne Blutuntersuchung, ohne Röntgen oder irgendwas, stellt er mit ein wenig abtasten und einen Blick auf Augen und Zahnfleisch die Diagnose: Geplatzter Lebertumor. Nur noch wenige Tage. Mich trifft fast der Schlag. Mit viel habe ich gerechnet, die schlimmste Diagnose, die ich mir habe vorstellen können, war, das er irgendwas gefressen hat, was zu einer Verletzung geführt haben könnte. Aber selbst das konnte ich nicht glauben, da Jerry eigentlich nicht so ein Fresser war. Also keiner, den man ständig im Auge behalten musste, weil er meinte sonst was auflesen zu müssen. Eher noch eine Vergiftung erschien mir wahrscheinlich. Aber der Arzt war sich ganz sicher und begründete alles schlüssig. Er könne nicht viel machen. Zwei Spriten gab es noch. Eine fürs Herz und eine, damit Jerry etwas fitter werden würde. Wir sollten uns aber vorbereiten.

Zurück zum Auto wieder im Schleichtempo. Eine Katze interessierte Jerry nicht die Bohne. Normalerweise läuft er da zur Hochform auf. Ins Auto mussten wir ihn heben. Noch die Apotheke gesucht. Wir hatten zwei Rezepte. Wie ich allerdings Jerry diese Tabletten geben sollte, wenn er nichts frisst, dass hatte mir der Arzt nicht erklärt. Zu Hause haben wir Jerry vorsichtig ins Haus gebracht und auf einer Decke in den Flur gelegt. Und uns zu ihn gelegt und ihn nur noch gestreichelt und geheult. Eine schreckliche Vorstellung, jetzt darauf warten zu sollen, das der geliebte Hund stirbt und nichts machen zu können. Jerry war ziemlich schlapp.

Gassi gehen ging gerade noch so. Gut, dass wir einen Garten haben.

Ich ziehe ins Wohnzimmer um. Treppe steigen ist nicht mehr für Jerry. Aber unsere Ledercouch ist zum Glück auch bequem. Ich werde die nächsten Tage wohl im Erdgeschoss schlafen und arbeiten. Ich will bei meinem geliebten Hund bleiben.

Montag, 9. Februar 2009

Unser Tierarzt - Etwas Hoffnung kommt zurück

Wir fahren noch mit Jerry zu unserem Tierarzt. Vorher hatte ich angerufen. Die Frau dort hat beinahe der Schlag getroffen, zum einen wegen der Diagnose ohne Untersuchung durch den Tierarzt am Sonntag und weil sie Jerry ja als lebenslustigen, total fitten und gesunden Hund kennt, er war ja erst ein paar Tage zuvor bei ihnen gewesen.

Beim Tierarzt wurden wir sofort vorgezogen. Mein Hund wurde vom Jeep in die Praxis getragen. Und untersucht. Keine Diagnose auf die Schnelle möglich. Der Tierarzt nimmt im Blut ab und lässt es sofort per Eilkurier zur Untersuchung bringen. Das Ergebnis wird aber erst am nächsten Tag da sein. Daher spritzt der Tierarzt ihn zwei verschiedene Antibiotika, nur um auf Nummer sicher zu gehen und weil viel mehr können wir einfach nicht machen. Aufgrund der Symptome (Augen gelb, Zahnfleisch weiß etc.) geht er aber von einer Infektion aus. Verschluckter Knochen und innere Verletzung schließt er auch aus. Geplatzter Lebertumor findet er eher eine lachhafte Diagnose.

Mein Hund wird zurück getragen ins Auto. Wir fahren mit ihm nach Hause. Jetzt heißt es warten auf die Blutwerte.

Es geht ihm einfach nur sauschlecht. Inzwischen nässt er auch ein. Das heißt, er kann nicht selbst zum Pinkeln nach draußen gehen. Und das ist bei meinem ziemlich stolzen Hund ein sehr schlechtes Zeichen.

Jerry mit Kumpel im Sommer 2008. Die beiden Hunde haben ihren Spaß am Meer.

Dienstag, 10. Februar 2009

Ergebnis vom Hunde-Bluttest ist da

Die Bluttwerte sind da. Eigentlich sieht es nicht so übel aus. Und Jerry ist, vielleicht wegen der Doppelspritze am Vortag auch ein wenig fitter wieder. Eine Infektion und eine Anämie halt. Die Leukos sind viel zu hoch. Mit Antibiotika sollte das aber in den Griff zu kriegen sein. Und er hat einige Mangelwerte. Insgesamt ist der Tierarzt aber sicher, mit einer Aufbaudiät ist das alles hinzubekommen.

Wir bekommen eine Spezialvitaminpaste mit, Spezialaufbaufutter, Astronautennahrung für Hunde mit extra vielen Kalorien und Nährwerten. Essen soll er nun. Möglichst viel. Vor einer Woche noch wäre das bei solchen leckeren Dosen gar kein Problem gewesen. Und auch jetzt klappt es. Mein Hund frisst wieder und kann wieder selbst nach draußen gehen. Soll er allerdings nur machen, wenn er muss. Absolute Schonung ist angesagt. Es scheint bergauf zu gehen.

Nur die Blutzuckerwerte machen dem Tierarzt sorgen. Mir nicht. Schließlich hat mein Hund in den letzten Tagen nichts gegessen, das bringt beim Menschen so viel ich weiß, die Blutzuckerwerte auch völlig durcheinander, warum sollte das bei einem Hund anders sein? Ich lass mir trotzdem alles aufschreiben, für den Notfall.

Jerry am Meer.
Mittwoch, 11. Februar 2009

Besserung stellt sich ein

Jerry frisst. Wir können sogar 30 Meter Gassi gehen. Die Hoffnung ist zurück.

Wir fahren wieder zum Tierarzt. Die Sprite mit dem Antibiotika ist fällig. Inzwischen ist Jerry wieder so fit, dass wir auch warten müssen. Dem Tierarzt gefallen die Fortschritte gut. Über dem Berg sei Jerry aber noch lange nicht warnt er uns. Ich, wir wissen das. Aber sind trotzdem voller Hoffnung. Er testet noch mal den Blutzucker, der ist fast wieder im Normalbereich. Eine Sorge weniger. Der Mittwoch verläuft gut. In der Nacht geht Jerry sogar heimlich hoch in mein Bett. Allerdings so fit, dass er es auch runter zum pinkeln schafft, war er noch nicht. Jetzt hat die Matratze eben einen riesigen Fleck.

Jerry im Juni 2003 in Spanien.
Donnerstag, 12. Februar 2009

Mein Hund läuft wieder

Arztbesuch. Spritze. Wir kommen überein, dass der Arzt am nächsten Tag Geo die Spritze setzen lässt, damit wir am Wochenende nicht unbedingt hin müssen. Schließlich sei Jerry jetzt schon so fit, dass er auch mal zwei Tage ohne den Ausflug zum Tierarzt auskommen soll. Kostet schließlich auch Kräfte. Insgesamt ist der Tierarzt sehr zu frieden. Jerry kommt selbst in die Praxis und ist auch wieder neugierig und bewegt sich richtig.

Am Nachmittag ist Siesta Zeit. Ich döse auf der Couch und schrecke schlagartig von einem seltsamen Geräusch auf der Treppe auf. Jerry hat sich an den Hindernissen vorbeigemogelt und wollte hoch zu Herrchen. Die Hälfte hat er geschafft von der Scheißtreppe. Nun hängt er da, völlig fertig. Ich renne zu ihm und stütze ihn erst einmal und leg ihn auf die Treppe. Bloß kein Runterkugeln. Dann verfrachte ich ihn ganz vorsichtig die Stufen wieder nach unten. Der Hund wiegt 38 Kilogramm, keine leichte Aufgabe. Danach ist Jerry erst einmal völlig fertig. Ich lasse ihn erstmal zu Kräften komme und gebe ihn dann noch eine Sonderration und lege mich zu ihm in den Flur. Von den Ausflug auf der Treppe erholt er sich scheinbar wieder.

Den Gedanken daran, dass Jerry sterben könnte, habe ich seit Mittwoch nicht mehr so stark. Eigentlich bin ich voller Hoffnungen und mir fast sicher, dass er noch eine ganze Weile bei mir bleibt.

Irgendwo im Norden der Insel wird Tonko, ein Labrador, geboren.

Der kleine Tonko, ein Labrador Welpen mit etwas über zwei Monaten.

Der letzte Tag von Jerry

Freitag, 13. Februar 2009

Krise, Abschied und Tod von Jerry

Der Tag fängt gut an. Jerry frisst. Jerry kann auch mit uns die 30 Meter Gassi gehen. Er will sogar noch weiter. Wir wollen ihn schonen. Wir kommen zurück. Er soll sich ausruhen. Dann ist die zweite Ration Essen fällig. Er weigert sich zu fressen. Ich versuch es mit Wurst, Fleisch, zwar nicht so gesund wie die Hunde Astronautennahrung, aber Hauptsache er frisst. Er weigert sich. Wir lassen ihn in Ruhe. Vielleicht waren die 30 Meter doch zu anstrengend. Und beschließen mit gutem Beispiel voranzugehen, bis 17 Uhr bis der Tierarzt wieder aufmacht, machen wir wieder Siesta.

Jerry baut nun minütlich vor meinen Augen ab. Er kann noch nicht mal mehr liegen. Das heißt, er liegt zwar, aber er kann den Kopf nicht ablegen. Er hechelt. Er legt sich um vom Flur ins Wohnzimmer zu mir. Ist ganz nah bei mir. Ich streichele ihn. Fünf Minuten findet er Ruhe. Dann muss er sich wieder umlegen. Dann kann er doch endlich auch den Kopf ablegen und schläft ein wenig. Ich lasse ihn erst einmal schlafen. Und schleiche mich mit Cora eben durch die Küchentür zum Gassi gehen raus. Bevor wir zum Arzt fahren, noch mal der Versuch mit dem Essen geben. Keine Chance. Ins Auto muss er wieder getragen werden. Beim Tierarzt mache ich sofort Alarm. Wieder werden wir als Notfall vorgezogen. Jerry in die Praxis getragen. Am Tag zuvor hatte er schon wieder Farbe am Zahnfleisch. Die Augen waren heller. Alles sah gut aus. Und nun diese Krise, dieser Rückfall, keiner versteht warum.

Als letzte Möglichkeit soll eine Bluttransfusion helfen. Nur Blutbanken für Hunde gibt es auf Gran Canaria nicht. Und niemanden fällt auf die Schnelle ein 40 Kilogramm Hund ein, der Gesund ist und eine Blutspende über sich ergehen lassen würde. Denn der Hund darf ja nicht mit einer Beruhigungsspritze ruhig gestellt werden.

Nach langem beraten kommen wir überein, Cora zu holen. So fit ist sie noch. Und man kann sie ruhig stellen, in dem man sich zu viert auf sie stürzt zum festhalten (klingt jetzt schlimmer als es ist). Ich bleibe bei Jerry und werde in einem Nebenraum umquartiert. Jerry hat schlimme Probleme mit dem Atmen. Er kann den Kopf nicht ablegen und hechelt. Ich tröste ihn, streichele ihn, versuche ihn zu stützen.

Irgendwann kommt Geo mit Cora wieder. Und der tapferen Maus wird ein Beutel Blut abgenommen. Das dauert. Ich werde bald wahnsinnig, habe Angst, dass mir mein Hund unter den Händen wegstirbt. Ich habe die irrige Hoffnung, die Bluttransfusion könnte Wunder bewirken.

Cora ist mit Blutspenden fertig.
Der Arzt kommt und es wird richtig heftig. Die Suche nach einer Vene. Das rumgestochere macht mich bald wahnsinnig. Ich bin kurz davor zu sagen, er solle meinen Hund nicht weiter quälen. Wenn er keine Vene findet, dann soll es wohl so sein. Zum Glück findet er doch eine.

Und das Blut läuft langsam durch. Erst Tropfen für Tropfen, erst später wird auf schneller umgestellt. Es ist schon halb acht Uhr oder so. Ich habe völlig das Zeitgefühl verloren. Irgendwann kommt Geo noch dazu. Der war bis dahin noch bei Cora gewesen. Jerry kriegt wieder besser Luft. Aber ich merke, der Tierarzt ist alles andere als zufrieden.

Die Transfusion ist durch. Jerry geht es immer noch scheiße, aber fünf Minuten lang röchelt er wenigsten nicht mehr so schrecklich. Und dann ist die Wirkung verpufft. Ich verstehe langsam. Mein Hund wird sterben. Vielleicht noch die Nacht überleben, viel mehr nicht mehr.

Ich will ihn mit nach Hause nehmen. Damit er zu Hause bei mir in meinen Armen, in unseren Armen in seiner vertrauten Umgebung friedlich einschläft. Der Tierarzt versteht was ich meine, aber er rät ab. Es würde kein friedliches einschlafen geben. Jerry würde höchstwahrscheinlich qualvoll ersticken.

Das kann ich nicht zulassen.

Ich muss meinen geliebten Hund einschläfern lassen und ihn von seinem Leiden erlösen. Vor einer Woche dachte ich noch, na ja, in ein zwei Jahren vielleicht. Mein Hund ist ja noch fit. Und wenn muss ich eher vorher Cora einschläfern lassen, die ist ja nicht ganz so fit. Und das nun.

Ich bitte um einen Aschenbecher. Und fällte diese Scheißentscheidung. Alleine wegen dieser Entscheidung, die getroffen werden muss, zwischen mit nach Hause nehmen und vielleicht qualvoller Tod, aber doch die Hoffnung auf Wunderheilung und der Endgültigkeit einer Todesspritze, alleine wegen dieser will ich nie wieder einen Hund.

Wir verabschieden uns unter Tränen von Jerry. Geo kann nicht mit dabei sein, wenn der Tierarzt mit der Spritze kommt. Zum einen weil es zu viel für ihn sei und zum anderen, muss ja jemand zu Cora ins Auto.

Es ist mittlerweile kurz vor 22 Uhr. Eigentlich ist hier schon längst Feierabend. Trotzdem kein Druck, nix. Nach Christa wird schon telefoniert, sie wird zu Hause vermisst. Trotzdem lässt man uns alle Zeit der Welt.

Der Tierarzt kommt. Jetzt bin ich froh, dass der Zugang für die Bluttransfusion doch gelegt wurde. So kann er die Spritze direkt geben. Ich glaube, ansonsten muss ins Herz gestochen werden. So hat das ganze was friedliches.

Jerry liegt auf meinem Oberschenkel. Und guckt mich an. Ich habe mir alles genau erklären lassen. Ich versuche die letzten Minuten nicht zu heulen. Schließlich soll er sich nicht fürchten. Der Tierarzt hat mir alles erklärt. Guckt mich an. Ich nicke. Und wie er gesagt hat. Die Atmung von Jerry wird von Sekunde zu Sekunde friedlicher, ruhiger, er guckt mich weiter an, mein süßer Hund. Und plötzlich ist der Blick leer, kein Atem mehr zu hören. Der Tierarzt untersucht ihn. Tot.

So schnell ging es. In der Praxis wird es unruhig. Der kleine Hund von Christa fängt an zu heulen. Geo kommt kurz danach auch rein. Cora hat es wohl ganz tapfer überstanden.
Nur was nun? Ich will Jerry nach Hause mit nehmen. Und ihn morgen irgendwo in den Bergen begraben. Aber das geht nicht. Wir haben Cora dabei. Und im Jeep können wir nicht den toten Jerry mit Cora transportieren, die würde wahnsinnig werden. Ich überlege erst ein Taxi zu holen für Cora. Aber dann kommen wir überein, Jerry bleibt in einer Decke gewickelt erst einmal in der Praxis und wir holen ihn morgen früh ab. Es gäbe aber auch die Möglichkeit ihn verbrennen zu lassen. Davon will ich aber noch nichts hören.

Der Rest des Abends ist grauenvoll. Jerry ist weg, nicht da, er fehlt überall. Auch als er in den letzten Tagen krank war, war er doch überall zu spüren. Nun spüre ich ihn zwar immer noch, aber ich sehe ihn nicht.

Das Leben ohne Jerry

Samstag, 14. Februar

Der erste Tag ohne Jerry

Unsere Entscheidung ist nach einigen Informationen gefallen. Jerry wird verbrannt. Es gibt auf Gran Canaria ein Tierkrematorium. Was für ein Glück. Ihn auf der Insel zu begraben, kann ich mir plötzlich nicht mehr vorstellen. Wie tief muss man graben, damit die sterblichen Überreste meines Hundes sicher vor irgendwelchen anderen Tieren ist? Wo wird vielleicht doch noch mal irgendwann gebaut und er womöglich ausgebuddelt? Wie lange bleiben wir überhaupt noch hier auf der Insel? Andere Ecken der Erde sind auch schön. Dann kann ich unmöglich Jerry hier lassen. Nein, Krematorium, Einzelverbrennung, Urne. So unsere Entscheidung, die wir dem Tierarzt mitteilen. Die kümmern sich auch um alles.

Das Leben ist fürchterlich leer ohne Jerry. Ich funktioniere eher. Cora ist ja auch noch da. Mit ihr bin ich fast ein wenig böse. Ihr merkt man gar nichts an, dass Jerry tot ist. Ist sie so abgestumpft? Dann sage ich mir, wer weiß, wie traurig ihr Leben vor uns war. Sie kann halt nicht anders.

Nie wieder Hund! Nie wieder so eine Trauer erleben müssen!

Jerry und Cora noch in Deutschland.

Mittwoch, 17. Februar

Feuerbestattung - Urne abholen

Wir holen die Urne ab. Naja, eine schöne Holzschatulle. Mit einer Plakette. Jerry steht drauf, ein Hundekopf ist zu sehen und das Datum. 13. Februar 2009. Eigentlich ganz hübsch. Reingeguckt habe ich noch nie. Kann ich nicht.

Irgendwann gucken wir zusammen den Film Marley & Ich. Wir heulen gemeinsam am Ende. Genau wie bei Jerry, der Tod von Marley.

Warum? Die Frage nach dem Warum zu stellen, bringt nichts. Wäre genauso wenig. Wäre Jerry noch am Leben, wenn wir beim allerersten Anzeichen am Samstag sofort zum Tierarzt gefahren wären? Nur warum hätten wir das tun sollen. Das er mal einen schlechten Tag hatte, war schon vorher vorgekommen. Wäre Jerry noch am Leben, wenn wir nicht bei diesem fürchterlichen ersten Tierarzt gewesen wären? Bringt alles nichts. Ich bin auch weg von dem Gedanken, dem ersten Tierarzt fürchterlich die Meinung zu sagen. Obwohl manchmal … aber bringt mir ja Jerry nicht zurück.

13. April

Labrador Tonko zieht ein

Ich will immer noch nie wieder einen Hund. Ganz anders Geo, der will sich endlich den Traum von einem eigenen Hund erfüllen. Jerry war mein Hund, Cora ist irgendwo zwar dabei, aber gehört keinem so richtig ganz. Und wir haben sie nach dem Tod von ihrem Herrchen aufgenommen, nicht wirklich selbst ausgesucht. Ich gebe nach. Wir fahren am 13. April nur mal gucken, im Norden von Gran Canaria soll es einen Labrador Welpen geben. Wir kommen natürlich mit Tonko zurück. Geboren wurde er zum Glück einen Tag vor Jerrys Tod.

Ende April 2009 Mein Geburtstag ohne Jerry. Der erste seit Jahren. Grauenvoll. Da kann auch Tonko nicht viel helfen.

Jerry, ein Schäferhund-Dobermann-Mischling mit zwei Jahren.
13. Juni

Vier Monate ohne Jerry

Tonko ist nun vier Monate alt. Mein Hund Jerry seit vier Monaten tot. Ich kriege immer noch Tränen in den Augen, wenn ich an ihn denke. Wenn ich nachts mit Tonko und Cora Gassi gehe, unterhalte ich mich mit ihm. Tröstliche Vorstellung, Jerry auf einer Wolke. Dabei glaube ich gar nicht an ein Leben nach dem Tod. Ab und an schaue ich mir Bilder von Jerry an. Aber einfach ist es nicht. Selbst einen Hund haben, will ich immer noch nicht.

Vor allem morgens vermisse ich ihn. Geo hatte ein Ritual mit den Hunden entwickelt. Frauchen wecken. Wenn er das unten gesagt hatte, sind beide mit Begeisterung nach oben gestürmt, Frauchen aus dem Bett holen, schließlich geht es dann gleich an den Strand zum spielen. Am Strand war ich seit dem vielleicht ein oder zwei Mal. An unserer Stelle hinten am Elektrizitätswerk nie wieder. Kann ich nicht.

Mit Tonko gibt es auch ein Morgenritual. Geo bringt ihn zum Wecken fast immer mit hoch. So kann ich mit dem kleinen Mann ein paar Minuten kuscheln. Ist auch schön. Mit Jerry war es aber viel schöner. Aber vielleicht sollte man die beiden einfach nicht miteinander vergleichen.

Ich will zwar immer noch keinen neuen Hund, aber wenn doch, muss es wieder ein großer Mischling sein. Vielleicht sogar wieder ein Schäferhund-Dobermann-Mischling. Aber eigentlich immer noch nein.

Nach dem Tod von Jerry war ich viel im Internet unterwegs. Irgendwo gab es dann dieses fürchterliche Gedicht mit der Regenbogenbrücke, auf deren anderen Seite alle Hunde miteinander spielen und darauf warten, dass Frauchen und Herrchen wieder auftauchen. Irgendwie eine nette Vorstellung. Natürlich muss ich beim Lesen heulen. Aber ich kann es nicht ganz glauben und fühle mich auf den Arm genommen. Das sind so Momente, wo ich immer gläubige und religiöse Menschen beneide. Einerseits bin ich zwar froh, dass ich nicht religiös oder gläubig bin. Andererseits beneide ich aber solche Menschen um ihren Glauben.

Weihnachten 2009

Jerry ist nun acht Monate tot. Immer noch rede ich mit den Sternen, einer davon ist für mich Jerry. Wenn ich Bilder von ihm angucke, kommen mir immer noch die Tränen. Es wird zwar leichter, aber drüber weg bin ich bis heute nicht.

Inzwischen ist Cora erkrankt. Krebsgeschwür am Schwanz. Aber bislang nur der Schwanz, ist wohl noch nicht übergesprungen auf andere Knochen. Eine Art Knochenkrebs. In den nächsten Tagen haben wir mit ihr Termin beim Tierarzt für die Operation. Der Schwanz muss leider ab, amputiert werden. Ansonsten geht es ihr aber gut, an ihr werden wir wohl noch ein wenig Freude haben.

Tonko geht es gut. Er ist nun zehn Monate alt und riesig geworden. Der größte zehn Monate alte Labrador auf der ganzen Insel. Da sind wir uns sicher, der Tierarzt auch. Die Zahl der von ihm zerkauten Schuhe ist groß. Allerdings hat er bislang nur welche von seinem Herrchen erwischt, wie gut, dass der nur Flip Flops trägt.

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